Mittwoch, 5. März 2008

Ausflug nach Nordengland

Hallo zusammen,

ich hatte in meinem letzten Eintrag ganz vergessen euch von meinem Ausflug nach Derby und Nottingham zu erzählen.

Am 09. Februar haben sich Marian, Richard und ich auf den Weg in den Norden Englands gemacht. Dabei sind wir durch das gefahren, was man im Allgemeinen als die idyllische Landschaft Englands bezeichnet. Kein Wunder, denn ist ein einfach atemberaubender Anblick, wenn man auf der Spitze eines Hügels/Berges über ein riesiges Gelände vor sich blicken kann, dass schon z.B. in den Geschichten um Robin Hood erwähnung fand.
Bei unserem Weg habe ich dann auch endlich erfahren, ab welchem Punkt man von Northern England spricht. Hier bei uns in East Anglia steht an sämtlichen Schildern nämlich neben den regionalen Orten und London immer nur als Richtungsangabe "The North". Da fragt man sich schon: "Bei dieser präziesen Angabe, wo ist eigentlich 'The North' und steht dann ab dem Punkt, der 'The North' ist als Richtungsangabe Richtung Schottland, z.B., nur noch 'Further North'?"
Naja, be that as it may; als wir vor Derby über einen Fluss gefahren sind sagte mir Richard in einem wunderbaren nordenglischen Dialekt: "You're now oficially in the North". Die Maßgabe dafür ist der Fluss Trent. Sobald man diesen Fluss überquert hat, befindet man sich offiziell im Norden Englands.
Da, ähnlich wie in Cambridge, der Verkehr in Derby einfach nur eine Katastrophe ist, sind wir mit einem der vielen Park-and-Rides ins Stadtzentrum gefahren und haben unseren Rundgang durch Richards Geburts- und Heimatstadt begonnen. Leider mussten wir feststellen, dass auf dem großen Hauptplatz im Zentrum das schönste Gebäude gerade renoviert wurde und es daher hinter Rüstungen versteckt war. Aber nichtsdestotrotz sind wir eine der Haupteinkaufsstraßen nach oben spaziert, um unseren Rundgang in der wohl kleinsten Kathedrale zu beginnen, die es gibt. Wie ihr sicher wisst, ist ja nur entscheident, ob es einen Bischof in einem Gotteshaus gibt, damit es als Kathedrale bezeichnet wird. Die Größe ist dabei völlig nebensächlich - was man in Derby wunderbar sehen kann.
Die Kathedrale ist in einem schönen schlichten Baustil gehalten, der nicht so erschlagend ist, wie in anderen Kirchen. Interessant ist vielleicht, dass Bonny Prince Charly auf seinem Weg nach Süden hier für drei Tage Station machte.
Dann ging es die Straße runter in den ältesten Pub Derbys - der angeblich auch der älteste Englands sein soll, aber darüber streitet man sich noch immer *g*. Der "Ye Olde Dolphin Inne" wurde im Jahre 1530 eröffnet und ist damit nun schon fast 500 Jahre alt - das schafft kaum eine Kneipe in Deutschland...Wenn man dann ins Innere des Pubs geht stellt man schnell fest, dass dies wohl der Ort ist, der für den stereotypen englischen Pub herhalten musste. In vier kleinen Räumen, die alle mit der Theke verbunden sind, kann man gemütlich am offenen Kamin sitzen (jede Stube hat einen) und sein Bier oder ein wunderbares, hausgemachtes Mittagessen genießen (was auch wir später am Tag taten). Leider kann ich dieses alte Gasthaus mit Worten nicht beschreiben. Es ist einfach nur wunderschön, aber selbst Fotos können es einfach nicht wiedergeben, was für eine angenehme und gemütliche Atmosphäre da drin ist - mit all diesen älteren Bewohnern Derbys, die sich in ihrem tollen nordenglischen Dialekt unterhalten. Das schönes ist aber: egal woher man kommt, man wird immer mit einem Lächeln aufgenommen und kommt sehr schnell mit den Leuten ins Gespräch, was dann den Aufbruch umso schwieriger macht.Bei unserem weiteren Streifzug durch Derby sind wir einige wunderbare alte Geschäftstraßen hinunter gelaufen und auf Gebäude gestoßen, die von der Tudor-Zeit über Art-Deco bist zur Post-Moderne reichen.
Ein besonderes Highlight ist die Derby Market Hall. Im Innern kann man unschwer erkennen, dass sie vom gleichen Architekten entworfen wurde, der auch St. Pancrass Station in London gebaut hat. Hier bekommt man aber auch echt alles. Vom normalen Marktangebot, mit Brot, Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse, bis zum kleinen Reisebüro und Cafes auf den Gallerien gibt es alles, was das Herz begehrt. Gemütlich bei einem Tee oder Kaffee von der Gallerie aus das wuselige Treiben auf der Marktebene zu beobachten ist auch echt spannend...Als nächstes stand dann noch der Besuch in einem Museum an, dass von außen ganz unscheinbar wirkt, aber von innen die Welt verändert hat. Es handelt sich dabei um die Fabrik, von der die Industrielle Revolution ausging. Viele der orginalen Webstühle und Maschienen sind noch immer erhalten und funktionsbereit. Aber auch die regionale Industriegeschichte, die daraus entstanden ist, wird erzählt - bis hin zur Eisenbahngeschichte, die für Derby ebenfalls sehr wichtig war.
Nach einem langen Tag zu Fuß durch die Stadt stand dann der Heimweg über Nottingham ham. Das sollte eigentlich kein Problem sein, aber leider waren die Hauptstraßen aus irgendwelchen Gründen gesperrt, weshalb wir durch kleine (schöne) Dörfer und die Landschaft Nordenglands fahren mussten. Als wir dann mehrmals den Trent überquert hatten (hey...an einem Tag war ich ja dann mehrmals in Nordengland *g*), stellten wir fest, dass wir wieder am Beginn der Umleitung angekommen waren und wohl irgendwo falsch abgebogen sein mussten - was auch erklärt hat, warum es irgendwann keine Umleitungsschilder mehr gab. OK, dann ging es eben wieder ein paar Mal über den Trent, bis wir dann auf der A1 Richtung "The South" waren um dann nach einem langen 14-Stunden-Trip wieder in Cambridgeshire anzukommen.

Alles in allem war es wieder ein schöner Ausflug in eine neue Gegend hier in England. Aber für die Osterferien wollten wir eigentlich rauf nach Newcastle um uns den Hadrian's Wall und Bede's World in Jarrow/Monkwearmouth anzusehen. Mal sehen, ob wir das irgendwie in den Plan bekommen, da es nach 1 1/2 Std Fahrt bis Derby immerhin noch mindestens die gleiche Zeit rauf nach Newcastle ist. Aber das wird dann in den nächsten Tagen und Wochen geplant.
So, nun mache ich mich mal ans Schreiben für meinen Bericht meines Urlaubs/Besuchs in Spanien, denn der war auch ein echtes Erlebnis. Aber davon dann die Tage, wenn ich genug Zeit gefunden haben werde um den halbwegs ausführlich zu schildern.

Alles Gute aus dem sonnigen und warmen (naja, 13°C) Cambridgeshire sendet euch


Euer Jens

Sonntag, 2. März 2008

Die ersten Monate des neuen Jahres

Hallo alle zusammen,

ja, ich geb's ja zu: es hat mehr als eine Weile gedauert, bis hier mal wieder was neues steht. Aber, was lange währt wird endlich böse (oder wie war das???)...Hier nun also ein paar Dinge, die hier seit dem Beginn des neuen Jahres passiert sind.

Fangen wir mal im Januar an:
Zu Beginn des neuen Jahres hatte ich erstmal Besuch aus Spanien - meine Birgit war mit mir hier in England. Wie einige von euch vielleicht schon im VZ gesehen hatten, haben wir uns hier so dies und das angesehen. Das Highlight für uns beide, war unser gemeinsamer Besuch in London. Wir haben uns am Morgen von Cambridge aus mit dem National Express nach Greater London gemacht und sind am frühen Vormittag an der Victoria Coach Station angekommen. Vor uns lag an diesem Tag ein langes Programm, da man aus der sehr begrenzten Zeit natürlich richtig was machen will. Auf dem Plan standen dabei die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, unteranderem Birgits Herzenswunsch: London Dungeon. Der erste Anlaufpunkt war allerdings Buckingham Palace.

Bei unserer Ankunft waren sehr viele zwischen Palast und Queen Victoria Memorial versammelt und die Polizei sperrte das Areal gerade für etwas ab, allerdings haben wir auch nach längerer Wartezeit nicht erfahren können was, sich dann wohl noch ereignen würde. Also haben wir uns auf den Spaziergang runter zum Parlament gemacht. Dafür nimmt man entweder die U-Bahn, oder man genießt die Zeit bei einem Spaziergang durch St. James's Park. Hier konnten wir eine heiße Tasse Kaffee genießen und beobachten, wie langsam immer mehr die Sonne hinter den dicken, grauen Wolken duchlukte. Am Parlament angekommen musste man natürlich die obligatorischen Bilder machen - und da man irgendwie ständig auf Touristen aus Deutschland stößt, hilft man sich gegenseitig und macht Bilder von einander, damit man auch mal gemeinsam auf den Bilder zu sehen ist.
Von dort aus ging es dann weiter mit der Underground ("Mind the Gap" - spezieller Gruß an Jana dabei *g*) zur London Bridge Station, wo wir uns dann in die Warteschlange zum London Dungeon eingereiht hatten. Nach einiger Wartezeit waren wir dann auch endlich drin und ich, der ich vor 10 Jahren da das letzte Mal war, muss schon sagen, dass sich sehr viel geändert hat. Besonders bemerkenswert ist dabei, wie sehr man mit weiteren Themen, wie dem "Great Fire of London" oder "Jack the Ripper" Wert auf historische Korrektheit gelegt hat. Nach doch einiger Zeit im Dungeon - kam einem gar nicht so lang vor - sind wir weiter zum Tower of London, um dort bei einem wunderschönen orangenen Sonnenlicht und eindrucksvoller Kulisse noch etwas zu essen und wieder einen wärmenden Kaffee zu trinken, denn es war für (süd)englische Verhältnisse doch ganz schön kalt.
Vom Tower ging es dann wieder in die Underground und diesmal hoch zum British Museum, auf das wir uns beide schon sehr gefreut hatten. Besonders der Stein von Rosette und die Sutton Hoo Ausstellung hatten es uns angetan. Da man, natürlich, nicht alles in so kurzer Zeit sehen kann, haben wir uns erstmal die Dinge angesehen, die uns besonders am Herzen lagen. Der Rest muss bis auf den nächsten gemeinsamen Besuch warten...
Und neben dem Dungeon hatte sich Birgit dann noch einen Herzenswunsch erfüllt, den auch ich sehr schön fand: King's Cross - St. Pancras. Wer schonmal was von diesen Bahnhöfen gehört hat, der hat auch etwas von ihrer Geschichte gehört. Und wer sich dann auch noch für Geschichte fasziniert, für den ist dieser Ort im Zentrum dieser Weltmetropole einfach nur berauschend. Hier treffen schlichte und pompöse, klassische und moderne Architektur in so einer Art und Weise aufeinander, wie man sie wohl an kaum einem anderen Ort antrifft. Natürlich durfte aber auch das obligatorische "Touri-Foto" an der Plattform 9 3/4 nicht fehlen *g*...
Selbstverständlich war dies nicht der einzige Ausflug, den Birgit und ich unternommen haben. Wir besuchten auch die Kathedrale von Ely und konnten an einem (verspäteten) Weihnachtsgottesdienst teilnehmen. In dieser altehrwürdigen Kathedrale im Winter an einem solchen Ereignis teilzunehmen ist einfach nur eindrucksvoll. Der riesige Weihnachtsbaum unter dem gigantischen Oktagon in der Mitte des "Ship of the Fens", mit seinem warmen orangenem Licht, das man bis weithin über die Moorgebiete des umgebenden East Anglia sehen kann.

Auch die Marktstadt Bedford stand auf dem Programm, da es die Heimatstadt meiner "Gastmutter" ist. Sie und ihr Mann zeigen mir - und in dieser Zeit auch Birgit - das wunderschöne England. Besonders toll ist dabei, dass auch sie viele Orte sehen, von denen sie nichts wussten oder einfach nicht wussten, was es ist. So geht man immer gemeinsam auf Entdeckungsreise. Nach dem Besuch des Marktes in Bedford, den man gesehen haben sollte, wenn man wissen will, wie das normale, alltägliche Leben im Herzen Englands abläuft, hatte Marian extra für uns noch ein verspätetes traditionelles Weihnachtsmenü gezaubert - mit allem, was dazu gehört. Es war einfach nur genial. Kein Wort könnte umschreiben wie schön es war, dies in England zu erleben!
Ein anderer krönender Höhepunkt war unser Besuch in den alten Colleges der Cambridge University. Für den normalen Touristen verschlossen hatten wir die einmalige Gelegenheit uns diese Colleges anzusehen - hier mal ein Beweisfoto:
Natürlich mussten aber auch die üblichen Touri-Attraktionen abgeklappert werden, also King's College Chapel, die Mathematician's Bridge und das Fitzwilliam Museum. Aber auch hier war das entscheidende: Man hat es gemeinsam besucht!
Leider musste Birgit aber dann auch schon nach einer knappen Woche wieder abreisen. Da fällt der Abschied am Flughafen in Stansted schon ganz schön schwer. Noch schwerer ist es dann besonders, wenn man sieht, dass sich kleine Tränen in den Augen dieser schönen, jungen Frau bilden, weil es doch ganz schön schwer ist dann wieder ans andere Ende Europas zu fliegen.

Besonders für mich stand dann ein paar Wochenenden nach Birgits Abreise wieder ein Highlight auf dem Plan, als ich mit Marian und Richard (meine "Adoptiveltern", wie sie sagen *g*) nach Northamptonshire aufgebrochen bin, um die Dörfer Earls Barton und Brixworth zu besuchen. Falls euch das jetzt nix sagt, dann ist das ganz und gar nicht schlimm, denn diese beiden Orte kennen wohl nur wenige - meistens kennen sie nur so Altenglischverrückte, wie ich... Hier stehen zwei alte Kirchen, die noch (fast) vollständig aus der angelsächsischen Zeit stammen. Ich will euch hier mal nicht mit Details langweilen. Es sei nur gesagt, dass All Saints' Earls Barton seit mindestens dem Jahr 970 (also der Zeit König Edgar the Peaceful) und Brixworth Church seit ca. dem Jahr 750 existieren. Ist schon beeindruckend, wie viele Jahrhunderte diese Mauern überdauert haben.

Im Februar war leider nicht so viel los, da der Schulalltag einfach zu viel Tribut forderte. Außer einem Ausflug in die großartige Kathedrale von Peterborough war in England nicht viel zu verzeichnen. Diese Monument, nicht weit von meinem Wohnort, ist von daher beeindruckend, da es das Beispiel für Kathedralen wie die in Lincoln war. Mit ihren drei gigantischen Frontbögen zählt sie zu einer der schönsten Kathedralen der romanischen und gotischen Baukunst in England. Der hintere Teil der Kathedrale, "The 'New' Building", wurde zwischen 1496 und 1509 von John Wastell, dem Erbauer der King's College Chapel, gestaltet - was man auch deutlich sehen kann *g*. An der Westfasade blicken dabei die Statuen verschiedener Heiliger auf den Besucher herab. Aber auch eine Statue von Queen Elizabeth II findet sich in "the most magnificent porico in Europe".


Und dann ging es ja im Februar auch mal wieder nach Spanien (aber dazu im nächsten Beitrag)...


Hier erstmal herzliche Grüße an alle Leser


Euer Jens